Sarah ist Mutter von drei Kindern, selbstständig als Ingenieurin und promoviert im Fach Bauphysik. Wie sie und ihr Mann über Familiengründung neben dem Promotionsvorhaben denken und wie sie sich die Arbeit auf allen Ebenen aufteilen, das lest ihr u.a. in diesem Erfahrungsbericht. 

Wo und in welchem Fach promovierst Du? Wann hast Du Deine Kinder bekommen? Was waren Deine und Eure Gedanken zum Thema Promotion und Familiengründung?

Ich habe 2010 meinen Master an der TU München gemacht und habe gleich danach mit einer Stelle am Fraunhofer-Institut für Bauphysik meine Promotion angefangen. Das erste Jahr ging zur Themen- und Finanzierungssuche drauf, ab Mitte 2011 hatte ich ein Promotionsstipendium der Deutschen Studienstiftung. Und dann bin ich auch einen Monat später schon schwanger geworden. Mein Mann und ich wollte immer lieber jüngere als ältere Eltern sein, daher haben wir uns nicht groß über mögliche Konsequenzen Gedanken gemacht. Wir wollten ein Kind und alles andere würde sich schon fügen, immerhin hatte ich ja eine Anstellung und als Bauingenieurin ist der Arbeitsmarkt auch relativ gut. Als mein Mann dann 2012 kurz nach der Geburt unserer 1. Tochter mit seinem Studium fertig war, entschloss er sich ebenfalls zu promovieren, allerdings als Hausmann. Von da an haben wir uns die Zeit immer in etwa 50/50 geteilt: Einer konnte arbeiten, der andere hat das Kind versorgt. Das Stipendium konnte ich damals noch um 1 Jahr verlängern, sodass wir beide im HomeOffice an unserer Arbeit schreiben konnten. Im Dezember 2014 kam unsere 2. Tochter zur Welt (mit ähnlichen Gedanken wie bei unserer 1. Tochter: wir wollten ein 2. Kind und die Umstände müssen sich da eben anpassen) und eigentlich wollte ich im Jahr 2015 die Arbeit endlich abschließen. Mein Stipendium endete Mitte 2015, sodass ich anfing in der Wirtschaft zu arbeiten. Durch viel Pendeln blieb die Dissertation auf der Strecke und im August 2015 verstarb mein Doktorvater unerwartet und ich ließ die Dissertation erst einmal liegen. Seit Ende 2016 habe ich einen neuen Doktorvater an der Universität Kassel, aber die wenige Zeit zum schreiben blieb. Anfang 2018 kam unser 3. Kind zur Welt, zum Glück ein sehr ruhiges Baby, sodass ich in der Elternzeit die Arbeit an der Dissertation wieder aufnehmen konnte. Und nun hoffe ich, die Arbeit bis Anfang/Mitte 2019 endlich abschließen zu können.

Wie hast Du die Promotionsphase jeweils vor und nach der Geburt Deiner Kinder erlebt? Was hat Dir geholfen? Was war für Dich schwierig?

Meine Schwangerschaften waren relativ einschränkend, mit Übelkeit, schlappsein, oft krank. Da habe ich kaum etwas Produktives geschafft. Nach den Geburten ging es mir allerdings deutlich besser, und da mein Mann und ich uns Arbeit und Kinder teilen, konnte ich ziemlich schnell danach auch wieder in den normalen HomeOffice-Alltag zurückkehren. Dafür war die Elternzeit immer sehr entspannt, da keine auswärtigen Verpflichtungen anstanden. Geholfen hat mir ganz praktisch ein höhenverstellbarer Schreibtisch, wenn das Baby im Tragetuch schlief. Da kann man wirklich eine ganze Menge schaffen.

Laut buwin 2017 schieben viele Nachwuchswissenschaftler*innen ihren Kinderwunsch auf. Was sind aus Deiner Sicht die Gründe dafür, dass sich so wenige für das Promovieren mit Kind entscheiden?

Viele machen sich verständlicherweise Sorgen, alles zeitlich unter einen Hut zu bekommen. Normalerweise bekommt man einen 3-Jahresvertrag inkl. Promotionsthema, der auch durch eine Elternzeit nicht verlängert wird. Das ist auch einfach kaum zu schaffen, vor allem wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, bzw. nach der Geburt einer das Baby betreut und der andere weiter Vollzeit arbeitet. Hätte mein Mann durchklingen lassen, dass er sich das auch so vorstellt, wäre er wohl nicht mein Mann geworden – und ich hätte somit kein Kind während der Promotion bekommen.

Was sind Deine Erfahrungen bezüglich Vereinbarkeit im System Universität? Was machst Du jetzt beruflich? Was war für Dich ausschlaggebend für den Abschied aus der Wissenschaftswelt?

Mein Mann promoviert mittlerweile mit einer Stelle an der Uni Duisburg-Essen. Dort kann er bei Bedarf jederzeit sein Kind in die KiTa auf dem Campus bringen. Als Notfallbetreuung. Allerdings haben wir das noch nicht in Anspruch nehmen müssen, aber ich finde das eine gute Sache, die wirklich entlasten kann.
Ich habe 2,5 Jahre in der Wirtschaft in einem Ingenieurbüro gearbeitet und habe mich in der jetzigen Elternzeit selbstständig gemacht. Ich hätte mir auch eine Wissenschaftskarriere vorstellen können, aber auf Grund eines Umzugs war keine passende Stelle hier in der Umgebung vorhanden. Jetzt könnte ich mir das nicht mehr vorstellen, da ich die zeitliche und berufliche Flexibilität des Selbstständig-Seins nicht missen möchte. Vielleicht schaffe ich es irgendwann über Kooperationen nochmal zum wissenschaftlichen Arbeiten.

Was würdest Du promovierenden Eltern (oder denen, die es werden wollen) raten?

Einfach machen, es ist nicht immer einfach, aber immer machbar. Sprecht über flexible Modelle von Arbeit und Betreuung (Babysitter bei euch zuhause, beide Teilzeit, interne Schichtarbeit). Und speziell an die Frauen: Nehmt eure Männer in die Pflicht! Promovieren mit Kind als Nebenbeibeschäftigung empfehle ich nicht 😉

Liebe Sarah, ich danke Dir sehr für Deinen ermutigenden Bericht und den Einblick in Euren Alltag aus Familie, Promotion und Beruf! Alles Gute und toi toi toi für Eure Promotionsvorhaben!

Wenn Ihr ebenfalls Lust habt, von Eurer Promotion mit Kind zu berichten, dann schreibt mir gern eine Email – ich freue mich drauf!